Österreich im Supplement-Boom: Mangel selten, Einnahme häufig

Österreich im Supplement-Boom: Mangel selten, Einnahme häufig Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt – und mit ihm die Verunsicherung. Vitamine, Mineralstoffe, Immun-Booster, Proteinriegel, „Longevity“-Kapseln: Die Regale sind voll, die Versprechen groß. Gleichzeitig zeigt sich ein interessantes Paradox: In Österreich hat nur ein Teil der Bevölkerung tatsächlich nachgewiesene Mikronährstoffmängel – mehr als die Hälfte nimmt jedoch regelmäßig Supplements ein. Europäische Erhebungen zeigen zudem: Besonders häufig supplementieren Menschen mit überdurchschnittlich guter Ernährung und hohem Gesundheitsbewusstsein. Das deutet weniger auf tatsächliche Defizite hin – sondern auf Unsicherheit. Die zentrale Frage lautet daher: Wer profitiert wirklich Mikronährstoffe: essentiell – aber nicht grenzenlos optimierbar Vitamine und Mineralstoffe sind zweifellos essenziell. Sie wirken als Cofaktoren für Enzyme, sind beteiligt an Energiegewinnung, Entgiftung, Antioxidation, Nervenfunktion, Elektrolythaushalt und Knochenstoffwechsel. Gleichzeitig zeigt der österreichische Ernährungsbericht 2017, dass bestimmte Mikronährstoffe tatsächlich unterversorgt sein können – unter anderem Vitamin D, Vitamin E, Folat, Calcium und Jod. Das ist relevant, aber es ist kein Freibrief für pauschale Multivitaminpräparate. Denn: Essenziell bedeutet nicht unbegrenzt steigerbar. Der Körper arbeitet mit physiologischen Bereichen, nicht mit „je mehr, desto besser“. Eine gezielte Ergänzung ist sinnvoll – aber nur nach Anamnese, Risikoabwägung und gegebenenfalls Labor. Routinemäßige Supplementierung bei gesunden Menschen ohne Risikofaktoren wird von Leitlinien nicht evidenzbasiert empfohlen. Seriöse Mangel-Diagnostik: Vom Gespräch zum Labor – nicht umgekehrt Am Anfang steht die Anamnese: Essverhalten, Symptome, Vorerkrankungen, Medikamente, Lebensumstände. Es folgt die klinische Untersuchung: Haut, Schleimhäute, neurologische Zeichen, Allgemeinzustand. Erst danach folgt die Labordiagnostik – und selbst die ist komplexer, als viele „Mangel-Checks“ suggerieren. Referenzbereiche sind statistische Bereiche, keine individuellen Idealwerte. Werte schwanken je nach Tageszeit, Jahreszeit, Entzündungsstatus oder Belastung. Ein Laborwert allein ist noch keine Diagnose. Haaranalysen oder Bioresonanztests? Wissenschaftlich meist nicht validiert und für eine seriöse Diagnostik nicht geeignet. Große Studien: Kein Nutzen bei Gesunden ohne Mangel Was sagen große Studien? Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) sowie mehrere Meta-Analysen kommen zu einem klaren Ergebnis: Bei Menschen mit ausreichender Ernährung reduzieren Multivitamine weder Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch Krebs noch Gesamtmortalität. Für Beta-Carotin oder Vitamin E zeigen sich in bestimmten Gruppen sogar erhöhte Risiken, etwa ein gesteigertes Lungenkrebsrisiko bei Rauchern unter Beta-Carotin-Supplementierung. Für gesunde Menschen ohne nachgewiesenen Mangel gibt es keinen robusten Beleg für einen gesundheitlichen Vorteil durch routinemäßige Supplementeinnahme. Überversorgung hingegen kann schaden. Die Risiken des Hypes Der Supplement-Boom ist nicht risikofrei. Fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K können sich im Körper anreichern und bei Überdosierung toxisch wirken. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich – etwa bei Vitamin K und Antikoagulation oder bei hochdosierten Antioxidantien. Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Ein falsches Sicherheitsgefühl. Wer glaubt, mit einer Kapsel Ernährung, Bewegung oder Schlaf kompensieren zu können, verschiebt den Fokus von den wirklich wirksamen Maßnahmen. Wenn man den Überblick verliert: hier ein Proteinriegel, dort das Vitamingummibärli, dazu noch ein Energy-Drink – überall stecken zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe drin, was schnell zu einer unkontrollierten Gesamtaufnahme führen kann. Und nicht zuletzt spielt die Ökonomie eine Rolle: Viel Geld fließt in Produkte mit fragwürdiger Evidenz, während bewährte präventive Maßnahmen – Bewegung, ausgewogene Ernährung, Schlaf, Stressreduktion – deutlich günstiger und wirksamer sind Wann Supplements sinnvoll sind Natürlich gibt es klare Indikationen. Bei nachgewiesenem Mangel – etwa Eisen, Vitamin B12, Folat oder Jod – ist eine gezielte Ergänzung sinnvoll. Wichtig ist dabei immer auch die Ursachenklärung. Vitamin D kann bei ausgeprägtem Sonnenmangel oder in Risikogruppen indiziert sein. In der Schwangerschaft ist Folat essenziell. Veganerinnen und Veganer benötigen Vitamin B12. Nach bariatrischer Chirurgie sind bestimmte Supplemente obligat. Das sind evidenzbasierte, klar definierte Situationen – keine Lifestyle-Optimierung. Warum Mikronährstoffe aus Lebensmitteln wirksamer sind als isolierte Supplement. Ein zentraler Punkt wird in der Supplement-Diskussion häufig übersehen: Mikronährstoffe wirken im Körper nicht isoliert – sondern im Zusammenspiel. In Lebensmitteln liegen Vitamine und Mineralstoffe nicht als isolierte Einheiten vor, sondern eingebettet in eine komplexe Matrix aus sekundären Pflanzenstoffen, Polyphenolen, Bioflavonoiden, Ballaststoffen, Enzymen und natürlichen Fetten. Diese Bestandteile verstärken sich gegenseitig. Isolierte Kapseln enthalten diese Begleitstoffe nicht. Sie liefern einzelne Moleküle – aber nicht das physiologische Zusammenspiel. Studien zeigen zudem: Bestimmte Vitamine aus der Nahrung sind mit einer geringeren Mortalität assoziiert (etwa Vitamin K oder Magnesium). Dieselben Nährstoffe als Supplement zeigen diesen Effekt nicht – oder können in bestimmten Gruppen sogar schaden. Ein bekanntes Beispiel ist Beta-Carotin, das bei Rauchern mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko assoziiert wurde. Der Körper arbeitet mit fein abgestimmten Gleichgewichten. Hohe Dosen einzelner Mikronährstoffe können dieses Gleichgewicht stören. Zink kann beispielsweise die Kupferaufnahme hemmen. Fettlösliche Vitamine können sich im Körper anreichern. Antioxidantien in hoher Dosierung können physiologische Signalwege beeinflussen, die für Trainingseffekte oder Immunreaktionen relevant sind. Fazit: Mikronährstoffe brauchen Strategie, nicht Spontankäufe Eine unausgewogene Ernährung lässt sich nicht durch Pillen ausgleichen. Bei guter Ernährungsbasis sind Multivitamine in der Regel unnötig. Die Evidenz für einen generellen Zusatznutzen fehlt. Bei Risikofaktoren oder Symptomen hingegen gilt: ärztlich abklären lassen – gezielt, individuell, nicht pauschal. Eine evidenzbasierte Mikronährstoffstrategie startet nicht im Regal der bunten Nahrungsergänzungsmittel. Sie beginnt mit Anamnese, Gespräch und – wenn nötig – Labor. Und sie endet individuell angepasst, nicht mit einem Multivitamin für alle. Supplements All In One? Nein danke! Trust Science – not Trends.
GoRed: Warum hat die Medizin bei Frauen Aufholbedarf?

GoRed: Warum hat die Medizin bei Frauen Aufholbedarf? Anlässlich des GoRed-Aktionstags zur Herzgesundheit von Frauen möchten wir euch einen kleinen Einblick in unser Buch geben. Darin zeigen wir, warum Frauen in der medizinischen Forschung lange unterrepräsentiert waren, welche Gründe dahinterstanden – und welche Folgen das bis heute für Diagnose, Behandlung und Therapiesicherheit hat: „Über Jahrzehnte hinweg wurden in vorklinischen und klinischen Studien vorwiegend männliche Versuchstiere und Männer als Probanden eingesetzt. Meist wurde das damit begründet, dass hormonelle Schwankungen bei weiblichen Tieren und Frauen als Probandinnen zu einer erhöhten Variabilität der Forschungsdaten führten. So waren die Bedenken groß (und oftmals auch begründet), dass die Forschungsergebnisse während des Menstruationszyklus sowie bei Probandinnen vor und nach der Menopause zu stark schwanken.Daneben waren Sicherheitsbedenken ein Grund für den Ausschluss von Frauen. So galt beispielsweise jahrzehntelang ein striktes Verbot für Schwangere und Stillende, an klinischen Studien teilzunehmen. Frauen im gebärfähigen Alter durften meist nur nach Vorlage eines negativen Schwangerschaftstests an den Studien mitwirken, was mit einem deutlichen Mehraufwand verbunden war und oft dazu führte, dass Frauen ausgeschlossen wurden Nachdem die WHO im Jahr 2002 (!) schließlich betont hatte, wie wichtig es ist, beiForschungsprojekten systematisch zu prüfen, ob Geschlecht und Gender in den Zielsetzungenund Methoden berücksichtigt werden, zogen auch andere Institutionen nach. Förderorganisationen, Ethikkommissionen und Regulierungsbehörden begannen gezielt Maßnahmen zu ergreifen, um die Einbeziehung unterschiedlicher Geschlechter stärker zufördern und die Studienkohorten diverser zu gestalten. Seit 2014 dürfen aufgrund einer EU-Verordnung zudem auch schwangere Frauen an klinischen Studien teilnehmen, sofern dieNutzen-Risiko Einschätzung positiv ausfällt. Dennoch ist die Teilnahme von Frauen und Männern an den verschiedenen Phasen der klinischen Studien zum Teil unausgewogen. So zeigt eine Übersichtsarbeit aus 2018, welche Daten aus mehr als 1.500 klinischen Studien untersuchte, dass vor allem Phase-I-Studien nach wie vor eine unausgewogene Geschlechterverteilung (64,1% Männer zu 35,9% Frauen) aufweisen. Dies führte dazu, dass wichtige geschlechtsspezifische Unterschiede in der Entstehung und Symptomatik sowie in der Behandlung oft übersehen werden – was die medizinische Versorgung von Frauen beeinträchtigte und möglicherweise auch der Grund ist, warum Frauen weniger Jahre in Gesundheit erleben als Männer. So unterscheiden sich die Geschlechter in ihrer Immunantwort auf Antigenstimulation,Impfungen und Infektionen. Männer zeigen grundsätzlich eine erhöhte Anfälligkeit fürInfektionen mit Bakterien, Viren und Pilzen sowie gehäuft schwere Krankheitsverläufe, während Frauen signifikant häufiger unerwünschte Reaktionen auf Impfungen als Männer entwickeln. Auch bei Herzinfarkten zeigen sich klare Unterschiede: sie manifestieren sich bei Frauen nicht nur anders, sondern treten im Durchschnitt etwa zehn Jahre später auf- unter anderem aufgrund des protektiven Effekts der Östrogene bis zur Menopause. In der Folge ist die Sterblichkeitsrate allerdings besonders hoch, da es häufiger zu Fehldiagnosen kommt und dadurch eine adäquate Behandlung verzögert bleibt. Zusätzlich zeigen Medikamente bei Frauen oft ein anderes Wirkungsspektrum, da sie im Durchschnitt ein geringeres Körpergewicht, weniger Körperwasser und einen höheren Körperfettanteil aufweisen. All dies beeinflusst die Verteilung von Medikamenten im Körper erheblich. Hinzu kommt, dass die Aktivität bestimmter Abbauenzyme variiert: Einige Wirkstoffe werden schneller, andere langsamer metabolisiert. Auch die renale Ausscheidung erfolgt bei Frauen häufig verzögert. Auf zellulärer Ebene unterscheiden sich zudem die Rezeptoren- die potenziellen Andockstellen für Medikamente- sowie die nachgeschaltenen Signalwege. Diese Erkenntnisse zeigen auf, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der medizinischen Forschung und bei Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden müssen, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Therapien zu sichern. Darüber hinaus scheint es dringend erforderlich, auch – unabhängig vom Geschlecht – bisher unterrepräsentierte Gruppen wie übergewichtige Menschen, Personen in der Menopause,People of Color und transgeschlechtliche Personen stärker in präklinische und klinische Studien einzubeziehen, …”
Geroprotektive Arzneimittel – wie nah sind wir an der „Anti-Aging-Pille“?

Geroprotektive Arzneimittel – wie nah sind wir an der „Anti-Aging-Pille“? Die Idee ist verführerisch: eine Tablette, die den biologischen Alterungsprozess bremst und unsere Gesundheitsspanne verlängert. Doch trotz intensiver Forschung gibt es bis heute kein offiziell zugelassenes Anti-Aging-Arzneimittel. Warum ist das so – und wie passt das zum Boom vermeintlicher Anti-Aging-Wundermittel? Warum Altern (noch) keine Arzneimittel-Indikation ist Arzneimittel brauchen eine klare Indikation – also eine Krankheit, gegen die sie geprüft und zugelassen werden. Der Alterungsprozess selbst gilt bisher nicht als Erkrankung, sondern als physiologischer Vorgang. Zwar steigt mit dem Alter das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz oder Krebs stark an, doch diese zählen jeweils als eigene Indikationen. „Altern“ als übergeordnete Diagnose existiert regulatorisch nicht. Das erschwert Studien enorm: Kein klarer Endpunkt: „Weniger alt“ ist schwer messbar – erst neue biologische Marker und Alterungsuhren ändern das langsam. Sehr lange Studiendauer: Wirkstoffe müssten oft über viele Jahre oder Jahrzehnte getestet werden. Einsatz bei Gesunden: Potenziell nebenwirkungsreiche Substanzen müssten an Gesunden geprüft werden – ohne kurzfristigen Nutzen. Ein Beispiel für einen Lösungsansatz ist die TAME-Studie mit Metformin (Targeting Aging with Metformin): Statt „Altern“ wird ein kombinierter Endpunkt aus typischen Alterskrankheiten gewählt. So könnte Aging-Forschung langfristig in regulatorische Bahnen gelenkt werden. Arzneimittel vs. Nahrungsergänzungsmittel – gleiche Form, andere Beweislage Warum gibt es trotzdem schon zahllose Produkte, die als „Anti-Aging“ beworben werden?Weil viele davon Nahrungsergänzungsmittel sind – und für diese gelten andere Regeln: Arzneimittel: müssen in mehrstufigen klinischen Studien Wirksamkeit und Sicherheit zeigen, werden von Behörden wie EMA (European Medicines Agency) in Europa oder die FDA (Food and Drug Administration) in Amerika streng geprüft. Nahrungsergänzungsmittel: sollen die Ernährung ergänzen, benötigen keinen Wirksamkeitsnachweis, dürfen keine echten Heil- oder Anti-Aging-Versprechen machen, sind meist frei verkäuflich – oft mit lückenhafter Datenlage. Wichtig: Auch Nahrungsergänzungsmittel können Nebenwirkungen haben – so führten hochdosierte Vitaminpräparate in großen Studien bspw. zum vermehrten Auftreten von Herzversagen oder Krebs! Viele „Anti-Aging“-Inhaltsstoffe wie Resveratrol zeigen zwar spannende Effekte in Zellkultur und Tiermodellen, scheitern aber häufig an: schlechter Bioverfügbarkeit, unspezifischen Wirkmechanismen mit potenziellen Nebenwirkungen, fehlenden großen Humanstudien. Die Vermarktung ist daher oft weiter als die Evidenz. Wer derzeit als geroprotektiver Kandidat gilt Trotz aller Hürden gibt es eine Handvoll Substanzen, die in der Forschung als potenziell geroprotektiv gelten: Kalorienrestriktions-Mimetika wie MetforminAktiviert Stoffwechselwege, die mit Langlebigkeit assoziiert sind; verlängert in Mausmodellen die Lebensspanne. Die TAME-Studie soll klären, ob Metformin auch beim Menschen altersbedingte Erkrankungen hinauszögern kann. Autophagie-Induktor wie RapamycinFördert zelluläres „Recycling“ und hat in Tiermodellen lebensverlängernde Effekte. Erste Studien am Menschen deuten auf bestimmte positive Effekte hin, aber eine echte Anti-Aging-Indikation ist noch weit entfernt. Prooxidantien wie Katechine aus Grüntee Können in moderaten Dosen kurzfristig oxidativen Stress auslösen und damit die körpereigene Abwehr trainieren. Sie zeigen, dass freie Radikale nicht nur schädlich, sondern auch wichtige Signalmoleküle sein können. Senolytika wie Quercetin + DasatinibZielen darauf ab, seneszente Zellen selektiv in den Zelltod zu schicken. Tierstudien sind vielversprechend, erste kleine Humanstudien zeigen prinzipielle Verträglichkeit. Langzeitnutzen und -risiken sind aber noch unklar. Fazit: Zwischen Hype und harter Evidenz Aktuell gilt: Es gibt keine zugelassenen Anti-Aging-Arzneimittel. Die viel diskutierten Kandidaten sind wissenschaftlich spannend, aber klinisch noch nicht ausreichend belegt – besonders für den Einsatz bei Gesunden. Viele vermeintliche „Anti-Aging-Produkte“ sind Nahrungsergänzungsmittel mit begrenzter oder fehlender Evidenz. Und gleichzeitig ist wichtig zu betonen, dass jeglicher geroprotektiver Wirkstoff nur on-top zu bestehenden Lifestyle-Faktoren positive Effekte erzielen wird können. Die stärksten Anti-Aging-Tools sind also erstaunlich unspektakulär – aber gleichzeitig sehr wirksam: Bewegung, pflanzenbetonte Ernährung, ausreichend Regeneration und 7-8 h Schlaf, ein gutes Stressmanagement, Nichtrauchen, soziale Strukturen und Unterstützung sowie kein Konsum oder Abhängigkeit von Rauschmittel oder Schmerzmittel. Kurzum: Die Zukunft der Geroprotektiva ist vielversprechend – aber sie wird den Lebensstil nicht ersetzen, sondern im besten Fall ergänzen.
Longevity – Zwischen Hype, Hoffnung und echter Verantwortung

Longevity – Zwischen Hype, Hoffnung und echter Verantwortung „Longevity“ ist längst im Mainstream angekommen – von Anti-Aging-Infusionen bis zu personalisierten Gen-Analysen. Was als wissenschaftliche Vision begann, ist heute ein boomender Markt, in dem sich Hoffnung, Marketing und Mythen oft vermischen. Doch im Kern geht es bei Longevity um etwas sehr Reales: 👉 ein möglichst langes, gesundes und selbstbestimmtes Leben – und die Frage, wie wir Lebensjahre in gesunde Jahre verwandeln können. ⸻ Wo der Trend kippen kann Wo die Sehnsucht nach Gesundheit groß ist, entstehen Märkte – und Fehlinformationen. Immer häufiger begegnen uns „Wundermittel“, teure Therapien und Supplemente ohne wissenschaftliche Basis. Das schafft zwei zentrale Risiken: unrealistische Erwartungen potenzielle Gesundheitsschäden durch Selbstexperimente ⸻ 🩺 Wissenschaftliche und ärztliche Verantwortung Wir Wissenschafterinnen und Ärztinnen sind hier wichtige Gegenpole. Unsere Aufgabe ist es: Trends kritisch einzuordnen Evidenz verständlich zu vermitteln vor riskanten, ungetesteten Maßnahmen zu schützen und zu zeigen, was evidenzbasierte Präventivmedizin ergänzt durch neue Anti-Aging-Strategien wirklich bedeutet Gleichzeitig müssen wir betonen: Die Wissenschaft hat vieles in der Pipeline – von Biomarker-Forschung über Senolytika bis zu regenerativen Therapien. Aber all diese Ansätze müssen in den kommenden Jahren in klinischen Studien auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden, bevor sie ihren Platz in der Medizin finden können. ⸻ Longevity ist kein Luxusgut Longevity ist keine Medizin für eine privilegierte Minderheit – sondern ein gesellschaftliches Ziel. Gesundheits- und Lebensverlängerung darf niemals ein exklusives Produkt werden. Was bereits heute wirkt, wissen wir: pflanzlich betonte, ausgewogene Ernährung Bewegung im Alltag ausreichender Schlaf & Stressreduktion Rauch- und Alkoholkarenz Impfungen & Vorsorgeuntersuchungen mentale Gesundheit und soziale Bindungen Das ist keine Lifestyle-Philosophie – das ist wissenschaftlich evidente Medizin mit einer beeindruckenden Datenlage. Wir wissen heute: Wenn wir zentrale Lebensstilfaktoren optimieren, können wir unsere gesunde Lebensspanne um mehr als 20 Jahre verlängern. Das ist kein Feintuning – das ist echte, messbare Gesundheitsmedizin. ⸻ Longevity als Chancengleichheit Wenn Longevity mehr sein soll als ein Social-Media-Trend, müssen wir als Gesellschaft: Prävention und Forschung finanzieren Gesundheitskompetenz fördern evidenzbasierte Medizin stärken nachhaltige Strategien für alle zugänglich machen ⸻ Was es dafür braucht Dafür braucht es Wissenschafterinnen, Ärztinnen, ein starkes öffentliches Gesundheitssystem sowie politische Regulatorien, die sicherstellen, dass alle Menschen Zugang zu etablierten und auch zu neuen wissenschaftlich fundierten Anti-Aging-Strategien erhalten. Longevity gehört uns allen – nicht nur wenigen. Dafür braucht es Aufklärung, Verantwortung und starke wissenschaftliche und ärztliche Stimmen, die Orientierung geben. Für uns ist das nicht nur ein Thema, sondern ein Herzensanliegen. Mit diesem Blog und unserem Buch möchten wir genau das tun: Menschen verständlich, evidenzbasiert und praxisnah begleiten – dort, wo Fragen entstehen und wo seriöse Information oft fehlt. –Corina & Tina
Warum reden alle über Proteine – aber kaum jemand über Ballaststoffe?

Warum reden alle über Proteine – aber kaum jemand über Ballaststoffe? Proteine sind derzeit in aller Munde – von Fitness-Influencern bis zu Ernährungstrends. Doch während alle über Eiweiß sprechen, gerät ein anderer, mindestens ebenso wichtiger Nährstoff oft in den Hintergrund: die Ballaststoffe. Dabei zeigen wissenschaftliche Daten eindeutig: Ballaststoffe zählen zu den entscheidendsten Faktoren für gesundes Altern, Stoffwechselbalance und Langlebigkeit. Was sind Ballaststoffe? Ballaststoffe sind unverdauliche Kohlenhydrate pflanzlichen Ursprungs, die den Dünndarm weitgehend unverändert passieren und erst im Dickdarm von unserer Darmflora teilweise aufgeschlossen werden. Sie dienen dort als Nahrungsquelle für gesundheitsfördernde Bakterien – weshalb der Begriff „Nahrungsfasern“ ihren Nutzen deutlich besser beschreibt als „Ballast“. Der präventive Nutzen – was die Daten zeigen Eine ballaststoffreiche, überwiegend pflanzliche Ernährung zählt zu den wirksamsten Lebensstilfaktoren für gesundes Altern. Personen, die täglich 25–30 Gramm Ballaststoffe zu sich nehmen, senken ihr Gesamtsterberisiko um 15–30 %. Das zeigte unter anderem die große Wellderly-Studie, in der eine hohe Ballaststoffzufuhr mit besserer Gesundheit bis ins hohe Alter verbunden war – unabhängig von genetischen Faktoren. Je höher die Zufuhr, desto geringer das Risiko für: Herz-Kreislauf-Erkrankungen Typ-2-Diabetes Adipositas Kolorektale Karzinome und vorzeitige Mortalität Wie Ballaststoffe wirken Ballaststoffe entfalten ihre Wirkung auf mehreren Ebenen – metabolisch, mikrobiologisch und immunologisch: Sie ernähren das Darmmikrobiom und fördern die Bildung kurzkettiger Fettsäuren (z. B. Butyrat), die entzündungshemmend wirken und die Darmschleimhaut schützen. Sie stabilisieren den Blutzucker, erhöhen das Sättigungsgefühl und senken den Insulinbedarf – ein zentraler Schutzmechanismus vor Typ-2-Diabetes. Sie binden Gallensäuren und Cholesterin, fördern deren Ausscheidung und senken dadurch den LDL-Cholesterinspiegel. Sie fördern die Darmmotilität und beugen Verstopfung vor – ein weiterer Faktor für Darmgesundheit und Krebsprävention. Ballaststoffe gegen „Inflammaging“ Chronisch niedrige Entzündungen gelten als zentraler Treiber des biologischen Alterns – Stichwort Inflammaging. Ballaststoffe wirken hier wie ein natürlicher Entzündungsregulator: Sie modulieren das Mikrobiom, reduzieren systemische Entzündungsmarker (z. B. CRP, IL-6) und unterstützen die Zellgesundheit auf molekularer Ebene. Wo stecken die besten Ballaststoffe drin? Die besten Quellen sind natürliche, unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel: Vollkornprodukte Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen) Nüsse und Saaten Beeren und Trockenfrüchte Gemüse- und Obstsorten mit Schale Tierische Lebensmittel enthalten keine Ballaststoffe. Eine Ausnahme ist Chitin, das je nach Definition ebenfalls zu den Ballaststoffen gezählt wird. Es ist Hauptbestandteil der Körperhülle von Insekten, Spinnen, Krebsen. Verträglichkeit und praktische Tipps Wer eine ballaststoffreiche Ernährung nicht gewohnt ist, sollte die Menge langsam steigern – sonst kann es vorübergehend zu Blähungen, Druckgefühl oder Stuhlveränderungen kommen. Besonders geschälte oder gekeimte Hülsenfrüchte (z. B. rote oder gelbe Linsen) sind anfangs leichter bekömmlich. Da Ballaststoffe Wasser binden, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig – ideal sind etwa 1,5 Liter Wasser oder ungesüßter Tee täglich. Praxis-Tipp: Beginnen Sie mit kleinen Schritten: mehr Gemüse, ein Vollkornprodukt statt Weißmehl, täglich eine Portion Hülsenfrüchte oder Nüsse. Ein Ballaststoffmangel ist ein unterschätzter Risikofaktor für chronische Erkrankungen und verkürzte Lebenszeit. Je mehr pflanzliche Vielfalt auf unserem Teller landet, desto stärker der gesundheitliche Effekt.
Zombiezellen im Körper – Stille Saboteure oder Schutzengel?

Zombiezellen im Körper – Stille Saboteure oder Schutzengel? Bei jeder Zellteilung werden die Telomere, die Schutzkappen an den Enden unserer Chromosomen, ein Stück kürzer. Sind sie zu knapp, zieht die Zelle die Notbremse und wechselt in den Sicherheitsmodus: Seneszenz. Die Zelle teilt sich nicht mehr, bleibt metabolisch aktiv und beginnt, ein ganzes Bündel an Botenstoffen auszuschütten (oft SASP genannt – senescence-associated secretory phenotype). Man könnte sagen: Die Zelle ist nicht tot, aber auch nicht richtig lebendig – ein biochemischer Halloween-Zustand. Warum können seneszente Zellen problematisch sein? Das SASP wirkt wie ein leises, dauerhaftes Spukgeräusch im Hintergrund – ein entzündlicher „Nebel“, der Nachbarzellen, Gewebe und das Immunsystem beeinflusst: Funktionsverlust von Organen: Mit zunehmendem Alter (typischerweise ab dem 5.–6. Lebensjahrzehnt) sammeln sich diese „Zombies“ an und stören die eingespielte Hausordnung des Gewebes – wie kleine Poltergeister, die Möbel verrücken. Förderung chronischer Erkrankungen: Das pro-entzündliche Milieu kann zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Arthrose oder Fibrosen beitragen – ein Cocktail, der eher nach Hexenkessel klingt. „Bystander-Effekt“: Auch gesunde Zellen in der Nachbarschaft können durch SASP-Signale in Mitleidenschaft gezogen werden – Trick-or-Treat, aber ohne die Süßigkeiten. Kurz: Zombiezellen sind nicht tot – doch auch nicht voll einsatzfähig. Sie sabotieren leise die Gewebehomöostase und sorgen für dauerhaften „Vollmond-Modus“. Senolytika: Die Geisterjäger im Labor? In der Forschung werden Senolytika entwickelt – Wirkstoffe, die seneszente Zellen gezielt beseitigen sollen. In Tiermodellen sieht das teils beeindruckend aus: weniger Entzündung, bessere Organfunktion, längere gesundheitliche Lebensspanne. Klingt nach einer guten Anti-Spuk-Strategie. Aber: Nicht jede Erscheinung ist böse. Seneszente Zellen haben auch wichtige Schutzfunktionen – quasi Schutzgeister des Gewebes: Wundheilung & Gewebereparatur: Vorübergehende Seneszenz hilft beim geordneten Umbau und verhindert unkontrollierte Zellteilung – wie Absperrband am Tatort, bis alles repariert ist. Krebsprävention: Der eingebaute „Teilungs-Stopp“ hindert geschädigte Zellen daran, weiter zu wuchern – ein Bannkreis gegen echte Monster. Darum tüftelt die Forschung an Timing und Dosierung: Wann, wie oft und bei wem man solche „Geisterjäger-Mittel“ einsetzen sollte, ist noch nicht endgültig geklärt. Die aktuelle Arbeit dazu könnte uns aber dem gesunden Altern ein gutes Stück näherbringen – ganz ohne Spuk, dafür mit Plan.
Podcast: Wie wir möglichst lange gesund bleiben

Podcast: Wie wir möglichst lange gesund bleiben In diesem neuen Podcast mit carpe diem räumen wir mit Longevity-Mythen auf und suchen nach dem Rezept für ein langes, vitales Leben. Unser Host Niki Löwenstein hat uns die Gelegenheit gegeben, über unser Buch „Der Code zum Jungbleiben“ zu sprechen. In den letzten 150 Jahren hat sich unsere Lebensspanne verdoppelt. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis harter wissenschaftlicher Arbeit. Aber neben der Forschung gibt es einfache Gewohnheiten, die unsere Lebensdauer und Gesundheit wirklich beeinflussen. Wir zeigen, was die Wissenschaft tatsächlich über Langlebigkeit weiß, welche Mythen wir getrost vergessen können – und welche gut umsetzbaren Tipps uns helfen, die eigene Gesundheit lange zu erhalten. Was wir außerdem aus dieser Episode mitnehmen:➝ Was wir vom Fadenwurm Caenorhabditis elegans lernen können➝ Warum die Aufnahme von Vitaminen dem Körper nicht automatisch guttut➝ Warum wir Sauerstoffradikale brauchen – aber nicht zu viele➝ Wieviel Vitamin D und Omega-3 wir wirklich brauchen Und passend zu Halloween: Wir sprechen über Zombiezellen – was sie sind und wie wir sie wieder loswerden! Hier gehts zum Podcast!
Podcast: So bleibt das Alter lebenswert

Podcast: So bleibt das Alter lebenswert Alt werden will jeder, alt sein aber keiner. Der berühmte Satz des Dramatikers Johann Nepomuk Nestroy bringt es auf den Punkt. Denn Altern ist unausweichlich – aber wie wir altern, das haben wir zu einem großen Teil selbst in der Hand. Wie wird man am besten alt? Darüber sprechen die Molekularbiologin Corina Madreiter-Sokolowski von der Med Uni Graz und die Allgemeinmedizinerin Kristina Hütter-Klepp im Podcast Hörgang. Ihr gemeinsames Buch »Der Code zum Jungbleiben« liefert spannende Einblicke in die Wissenschaft vom erfolgreichen Altern — und räumt mit vielen Mythen auf. Dabei geht es nicht um das ewig junge Aussehen à la Anti-Aging, sondern um etwas viel Wertvolleres: Happy Aging. Also darum, möglichst lange gesund, fit und zufrieden zu leben. Hier gehts zum Podcast!
Proteine im Focus: Was sagt die Wissenschaft wirklich?

Proteine im Focus: Was sagt die Wissenschaft wirklich? Proteine sind aus Aminosäuren aufgebaut und erfüllen im menschlichen Körper zahlreiche essenzielle Funktionen.Aminosäuren dienen als Bausteine für Zellstrukturen, Enzyme, Hormone und Immunkomponenten und sind damit grundlegend für Wachstum, Regeneration und Stoffwechselprozesse. Sie unterstützen zelluläre Reparaturmechanismen, fördern Regenerationsprozesse und tragen wesentlich zum Erhalt der Muskelmasse bei – insbesondere im höheren Lebensalter oder bei erhöhter körperlicher Belastung. Der tägliche Bedarf liegt im Durchschnitt bei etwa 0,8 g -1g pro Kilogramm Körpergewicht, kann jedoch bei älteren Menschen oder Leistungssportlern auf 1,5–2 g/kg ansteigen. Entscheidend ist dabei die Qualität der Eiweißquellen: Studien zeigen, dass pflanzenbasierte und naturbelassene Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Fisch, Eier und Nüsse besonders empfehlenswert sind. Eine Kombination verschiedener Eiweißquellen gewährleistet ein breites Spektrum an essentiellen Aminosäuren und verbessert die biologische Wertigkeit. Eine übermäßige Proteinzufuhr, insbesondere aus tierischen Quellen, kann langfristig entzündungsfördernde Prozesse begünstigen – unter anderem durch die Aktivierung bestimmter Immunzellen. Dies kann zur Bildung atherosklerotischer Plaques beitragen und damit das kardiovaskuläre Risiko erhöhen. Zudem führt ein hoher Eiweißkonsum zu einer gesteigerten Harnstoffproduktion, die bei gesunden Nieren kompensiert werden kann– bei bestehender Nierenfunktionsstörung jedoch eine weitere Verschlechterung begünstigen kann. Darüber hinaus kann eine sehr hohe tierische Proteinzufuhr das Darmmikrobiom verändern und die Bildung entzündungsfördernder Metabolite fördern, während pflanzliche Proteine insgesamt als metabolisch günstiger gelten. Für gesunde Erwachsene mit einem moderaten Aktivitätslevel (< 5–6 Stunden Sport pro Woche) ist eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung ausreichend, um den Proteinbedarf vollständig zu decken. Von industriell hergestellten „High-Protein-Produkten“ ist hingegen abzuraten. Sie sind häufig stark verarbeitet, enthalten Zuckerersatzstoffe, Aromen und Zusatzstoffe und bieten keinen nachgewiesenen ernährungsphysiologischen Vorteil gegenüber natürlichen Eiweißquellen – bei oft deutlich höherem Preis. Fazit: Eine pflanzenbetonte, ausgewogene Ernährung unterstützt Zellfunktion, Muskulatur und langfristig die gesunde Lebensspanne – entscheidend ist dabei ein sinnvolles Kombinieren hochwertiger Proteinquellen.
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